Business Fads

„Business Fads“ statt ganzheitlicher Managementkonzepte

Was vielleicht die Theorie auf Anhieb nicht gleich leisten konnte, nahm in vielfacher Weise die Führungspraxis vorweg. Sie benötigte eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung ihrer Führungskräfte und suchte nach griffigen Modellen und Lehrinhalten, um die selbst gesetzten Ziel effektiv zu erreichen. In Erkenntnis dieser Bedarfslage schnürten Beratungsinstitute und Einzelpersonen vielfältige Pakete, die sodann weltweit über anerkannte Management Magazine vermarktet wurden.

Alle Welt glaubte nun in ihnen eine Art Placebo für die Lösung ihrer Probleme zu finden, griff diese Gedanken zumeist und zunächst inform von Erfolgsbüchern auf und musste zuweilen zu spät feststellen, dass sie einer zwar vielversprechenden und interessanten Idee aufgesessen waren, die aber bestenfalls nicht das Erhoffte gebracht hatte oder sogar bleibende Schäden hinterlassen hatten.

Als alter Wein in neuen Schläuchen verhießen sie einen außergewöhnlichen Geschmack – also erfolgsversprechende Antworten auf akute Herausforderungen des Managements. So wurde die Wirtschaftspraxis jahrelang mit neuen Angeboten überzogen, die weitgehend einseitig ein Problem zu lösen versprachen, aber die Interkonnektivität der betrieblichen Beziehungszusammenhänge weitgehend vernachlässigten und – was viele dramatischere Auswirkungen zeitigte,- die menschliche Komponente der Anpassung an eine andere – vorausgesetzte Welt an Arbeitsbedingungen – negierte. Trotzdem fanden viele dieser “Fads” eine breite Anhängerschaft und konnten sich so zu veritablen Managementtrends entwickeln. Doch ein wesentliches Kennzeichen von Trends ist deren eher abruptes Auftreten, die Mobilisierung vieler, die sich rasch zu treuen Jüngern entwickeln eben so bald aber deren falsche Verheißungen durchblicken und so dazu beitragen, dass die Modeerscheinung wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Gerade aber die Verfolgung solch eines einzelnen, meist isolierten Konzepts als Patentlösung, ist widersinnig.

Die Überrumpelung der Führungspraxis mit sog. „Fads“, kann also keine ultimative Lösung unser aus der Komplexität und Dynamik erwachsenden Managerprobleme sein. Derart kann eine ganzheitliche Managementlehre und –praxis kaum gedeihen! So eignen sich einzelne Konzepte für spezifische Problemstellungen besser als für andere, sind jedoch oftmals aufgrund deren Eindimensionalität für Führungspraktiker generell ungeeignet – als Ergänzung und Erweiterung im Rahmen einer umfassenden Integration mögen sie hingegen situationsspezifisch dienlich sein.

Aileen Shapiro hat in ihrem Buch „Fad-Surfing in the Board Room“ einige dieser Ansätze untersucht und „aufs Korn“ genommen mit dem Ergebnis, dass die meisten von ihnen nur über eine geringe Erfolgsquote verfügen und ihr überwiegendes Scheitern auf zwei Ursachen zurückzuführen sind:

1 Die Vernachlässigung der humanen Komponente, weil zumeist technokratische Lösungen angeboten werden ohne die notwendige Lernfähigkeit, Motivation und soziale Einbindung des Menschen ausreichend zu berücksichtigen.

2 Die mangelnde Integrationsneigung solcher Allheilmittel, die über die fehlende Berücksichtigung der Interdependenz miteinander verbundenen Variablen an einigen Stellen Verbesserungen erzielen können, die aber im Gesamtsystem zu neuen systemischen „Pathologien“ führen können.

Das Konzept Integriertes Management als “Leerstellengerüst für Sinnvolles” ermöglicht jedoch auch eine situationsadäquate Erweiterung um spezifische, singuläre und nur begrenzt anwendbare Managementansätze. Hierbei gilt es jedoch ganz genau darauf zu achten, was nun sinnvoller Weise integriert und was besser sofort terminiert werden kann.

"Like many machines of the smokestock era, our intellectual tools too, are ready for the museum."

Alvin Toffler