Neue Managementansätze versprechen Orientierung und bessere Ergebnisse. Ob sie einem Unternehmen helfen, entscheidet sich an der konkreten Aufgabe, den verfügbaren Grundlagen und der Qualität der Umsetzung. Bekanntheit, überzeugende Sprache und erfolgreiche Einzelbeispiele geben Anlass zur Prüfung; sie reichen für eine Einführung allein nicht aus.
Die Diskussion über «Business Fads», also Managementmoden, lenkt den Blick auf diese Auswahlaufgabe. Führungskräfte brauchen nachvollziehbare Kriterien, um neue Ideen und vertraute Methoden zu beurteilen. Dabei geht es um die Bereitschaft, Möglichkeiten zu erkunden, Annahmen offenzulegen und die Ergebnisse am eigenen Anspruch zu messen.
Sechs Fragen für eine begründete Auswahl
1. Problembezug: Welche Aufgabe soll gelöst werden?
Beschreiben Sie zunächst das Problem und seine Folgen. Welche Veränderung ist nötig, für wen soll sie einen Nutzen schaffen und woran wäre eine Verbesserung erkennbar? Prüfen Sie, ob der Ansatz die vermuteten Ursachen erreicht. Vergleichen Sie ihn mit anderen Möglichkeiten, einschliesslich einer gezielten Verbesserung des bisherigen Vorgehens.
2. Belege: Worauf stützt sich das Nutzenversprechen?
Unterscheiden Sie zwischen einer plausiblen Idee, Erfahrungen aus Einzelfällen und systematisch untersuchten Wirkungen. Welche Ergebnisse sind dokumentiert, wie wurden sie ermittelt und womit verglichen? Fragen Sie auch nach Einschränkungen und erfolglosen Anwendungen. Eine technische Demonstration zeigt zunächst eine Fähigkeit unter bestimmten Bedingungen; der betriebliche Nutzen muss gesondert geprüft werden.
3. Kontext: Passen die Voraussetzungen?
Klären Sie, unter welchen Bedingungen der Ansatz entwickelt und erprobt wurde. Stimmen Aufgabe, Unternehmensgrösse, Kompetenzen und verfügbare Daten mit Ihrer Situation überein? Welche Anpassungen sind nötig? Halten Sie fest, wo belastbare Kenntnisse fehlen und welche Annahmen deshalb zunächst in einem begrenzten Einsatz überprüft werden sollen.
4. Integration: Wie verändert sich das Zusammenspiel?
Untersuchen Sie die Folgen für Strategie, Strukturen, Prozesse und Verhalten. Welche Bereiche und Anspruchsgruppen sind betroffen? Passen Zuständigkeiten, Anreize und Ressourcen zum Vorhaben? Ein Vorteil in einem Bereich kann zusätzlichen Aufwand an anderer Stelle auslösen. Diese Wechselwirkungen gehören ebenso in die Entscheidung wie die angestrebte Verbesserung.
5. Wirtschaftlichkeit: Was bleibt nach dem gesamten Aufwand?
Stellen Sie den erwarteten Nutzen den einmaligen und laufenden Aufwänden gegenüber. Berücksichtigen Sie Einführung, Schulung, Datenpflege, Kontrolle, Nacharbeit und mögliche Wechselkosten. Welcher Nutzen lässt sich tatsächlich verwenden, und welcher bleibt eine Annahme? Prüfen Sie auch Qualität, Abhängigkeiten und Risiken. Entscheiden Sie, welche Unsicherheiten vor einer Ausweitung geklärt sein müssen.
6. Umsetzung und Lernen: Wie wird die Wirkung überprüft?
Legen Sie Verantwortung, Umfang und Dauer einer Erprobung fest. Welche Ergebnisse sollen erreicht werden, wer beurteilt sie und wann wird entschieden? Vereinbaren Sie Kriterien für Anpassung, Fortführung und Abbruch. Beziehen Sie die Menschen ein, die mit dem Ansatz arbeiten, und dokumentieren Sie auch unerwartete Folgen.
Beispiel: KI für Angebotsvergleiche im Einkauf
Ein Einkaufsteam möchte Angebote schneller vergleichen. Als Pilot soll eine KI Preise, Lieferbedingungen und Leistungsmerkmale aus Dokumenten in eine gemeinsame Übersicht übertragen. Vor dem Start definiert das Team, welche Angaben erforderlich sind und wie mit fehlenden oder widersprüchlichen Informationen umzugehen ist.
Das Team prüft die Übersicht anhand der Originalangebote und vergleicht den Arbeitsaufwand mit seinem bisherigen Vorgehen. Erfasst werden auch Korrekturen, Rückfragen und übersehene Unterschiede. So lässt sich beurteilen, ob die Unterstützung insgesamt Arbeit erleichtert und eine hinreichend verlässliche Entscheidungsgrundlage liefert. Die Einkaufsverantwortlichen entscheiden weiterhin über die Auswahl.
Soll ein Agent später Rückfragen versenden oder Bestellungen auslösen, erweitert sich die Aufgabe. Dann müssen zulässige Handlungen, Freigaben und Eingriffsmöglichkeiten festgelegt und erprobt werden. Die Ergebnisse des Angebotsvergleichs allein begründen eine solche Erweiterung noch nicht.
Derselbe Massstab gilt für unsere eigenen Ansätze
Auch das St. Galler Konzept muss sich an seinem Beitrag zur konkreten Aufgabe beurteilen lassen. Als Denk- und Gestaltungsrahmen kann es die Prüfung von Zusammenhängen unterstützen. Bei seiner Anwendung ist zu untersuchen, ob relevante Fragen sichtbar, Entscheidungen nachvollziehbarer und Veränderungen wirksam umgesetzt werden. Dazu gehört, den Aufwand der Bearbeitung angemessen zu begrenzen.
Für Agentonomics gelten dieselben Fragen. Der Forschungs- und Gestaltungsansatz untersucht das Zusammenwirken von Menschen und intelligenten Agenten im Management. Konzeptionelle Thesen formulieren Zusammenhänge und Gestaltungsfragen; welche Lösungen unter welchen Bedingungen wirksam und wirtschaftlich tragfähig sind, bleibt Gegenstand der Erprobung und empirischen Prüfung. Die aktuellen Publikationen dokumentieren den Arbeitsstand.
Eine begründete Auswahl hält deshalb fest, was bekannt ist, was erwartet wird und was noch geprüft werden muss. Diese Unterscheidung erleichtert es, Erfahrungen auszuwerten und Entscheidungen unter veränderten Bedingungen erneut zu beurteilen.
Stand Oktober 2026